Ausgabe Juni 2013

Mietkauf - oder was?

„Mit einem Mietkauf wollte mir eine Heuschrecke meinen Verlag abschwatzen, obwohl ich überhaupt nicht verkaufen will“, entrüstete sich ein Verleger. „Bei mir war es ähnlich, doch leider musste ich verkaufen, weil meine Tochter meinen Verlag nicht weiterführen will“, ergänzte ein anderer. „Na prima“, schaltete sich ein Dritter ein, „der Mietkauf ist die Rechtsgrundlage für das betrügerische Schneeballsystem im Kfz-Handel.“

Der Vorschlag der Investmentfirma sah vor, dass der Verlag im Mietkauf erworben werden sollte. Dazu sollte der Kaufpreis in zehn gleiche Teile geteilt werden. Eine Verzinsung des Kaufpreises war in den Raten nicht vorgesehen. Bis zur letzten Mietrate sollte der Investor das Recht haben, über den Kauf zu entscheiden. Damit waren die Verkäufer von ihm abhängig.

Beim Mietkauf geht das wirtschaftliche Eigentum sofort auf den Mieter über, der den Kaufgegenstand in seinem Anlagevermögen führen muss; rechtlich bleibt der Vermieter verpflichtet. Damit ist dieses Rechtsinstitut ein interessantes Modell für Dienstleistungsfirmen oder Selbstständige, die mangels sicherbaren Eigenkapitals in die Lage versetzt werden, aus dem Laufenden die Investitionen zu bezahlen. Er ist auch ein Marketinginstrument etwa in der Wohnungswirtschaft, um Interessenten den Kauf einer Eigentumswohnung schmackhaft zu machen; denn die ungeliebten Gespräche mit den Banken erübrigen sich.

Der Mietkauf eignet sich für die Beschaffung von klar fassbaren Objekten, wie etwa Grundstücken oder Maschinen. Unternehmen sind eher als Organismen zu verstehen, die sich zudem im Wettbewerb bewähren müssen. Verlage haben zusätzliche Merkmale, die schwer zu fassen sind. Verleger muss man mit Herz und Verstand sein, ein institutioneller Investor ist es in der Regel nicht. Er führt den Verlag „betriebswirtschaftlich“ und entwickelt kaum Verständnis für die Inhalte. Deshalb mussten die beiden angesprochenen Verleger damit rechnen, dass sie nach Ablauf von zehn Jahren ihren heruntergewirtschafteten Verlag zurückerhalten würden und damit erneut unternehmerisch tätig werden müssten. Zudem sollten sie ihren Kaufpreis nicht verzinst erhalten und damit das Kaufkraftrisiko der Währung tragen.

Bekannt ist, dass „Heuschrecken“ zu vielem fähig sind. Sie kaufen Unternehmen, zerlegen sie und verkaufen die Einzelteile zu überhöhten Preisen. Jetzt wird auch noch das Mietkaufmodell Verlegern angeboten, also ein Kauf zu Lasten des Verkäufers von einem Gegenstand, von dem die Käufer nichts verstehen. Zudem ist der Mietkauf ein Institut, dass sich dazu eignet Interessenten zum Kauf zu bewegen. Die institutionellen Investoren, die von beiden Verlegern kauften, brauchten diese Motivation gerade nicht. Verkaufswillige Unternehmer sollten mit dem Kopf schütteln, wenn es heißt: Mietkauf - oder was?

Dr. Kurt Kettembeil