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Ausgabe Oktober 1999 Jeder hat so seine Kontakte Der Beratungsfall strebte in geordneten Bahnen seinem sicheren Ende zu. Von Anfang an hatte sich das Augenmerk des Auftraggebers auf ein bis zwei Kandidaten konzentriert. Die Nummer eins schien im Ziel. Doch plötzlich ein jähes Ende. Der Kandidat wurde zurückgewiesen. Die Begründung lautete: "Wir haben so unsere Kontakte." Natürlich hat jedes Unternehmen seine Kontakte. Doch sie reichen nicht allein aus, um geordnete Referenzen einzuholen. Wer holt bei wem Referenzen ein? Ist es der künftige Vorgesetzte, der vielleicht die Stelle nicht besetzen möchte? Ist es der Personalchef oder ein anderer Dritter? Bei wem wird die Referenz eingeholt? Bei einem Kollegen im gleichen Rang eines anderen Unternehmens? Bei jemandem, den man selbst aus früherer Zusammenarbeit kennt und der wiederum etwas über den Bewerber zu sagen weiß? In welchem Umfeld befinden sich Referenzgeber und Referenznehmer? Welche Position bekleidet der Referenzgeber jetzt im Vergleich zu der im Zeitraum der Referenz? Welche Beziehung hat er zum Bewerber? Haben Referenzgeber und Referenznehmer die genügend kritische Distanz? Welche Interessen verfolgen sie? Und sind sie sich ihrer Interessen bewußt? Fragen über Fragen vor dem Beginn einer Referenz. Sie verkomplizieren sich dann, wenn Unbedarftheit oder Böswilligkeit hinzukommen. Die Referenzeinholung selbst hat bestimmten Methoden zu genügen. Es kommt auf die richtigen Frageformen an, das geschickte Nachhaken. Selbst dann, wenn Suggestivfragen vermieden werden, nimmt der ungeübte Referenznehmer nur auf, was er hören will. Dieses Vorurteil wird häufig übersehen, wenn unterschiedliche Referenzgeber zu einem konkreten Punkt scheinbar dasselbe sagen. Nuancen werden nicht registriert. Gutgläubig heißt es: "Das habe ich von verschiedenen unabhängigen Seiten erzählt bekommen." Referenzen einzuholen, ist also nicht ganz einfach. Deshalb sollte man einen Fachmann damit betrauen. Natürlich steckt auch ein Personlberater in einem psychischen Gefängnis. Seine Interessen sind von vornherein offensichtlich. Nur der nachhaltige Erfolg der Besetzung der Position ist für den Berater eine Referenz. Deshalb wird er sorgfältig und kritisch sowohl zu den einzelnen Referenzgebern, als auch zur zu besetzenden Position zu Werke gehen. Ein Branchenspezialist hat noch weitere Vorteile, weil er auch die handelnden Personen und das Umfeld zum Zeitraum der Referenz rekonstruieren kann. Wenn er außerdem ab diesem Zeitraum die Karrieren der Referenzpersonen sowie -unternehmen verfolgt hat, kann er aus der Rückschau zu zusätzlichen Schlüssen gelangen. Deshalb merke: "Auch ein Berater hat so seine Kontakte." Dr. Kurt Kettembeil |